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»transparenz schafft akzeptanz«

DIE GENERATION MAN MÜSSTE MAL

Eine Streitschrift von Claudia Langer

Eigentlich erwischt mich dieses Buch zu einem völlig falschen Zeitpunkt. Oder besser: Ich kann mich noch nicht entscheiden, ob es mich zu einem »jetzt erst recht« oder einem »mache ich doch schon seit Jahren so« nötigt. Vermutlich entscheide ich mich für ein »jetzt erst recht«, denn alles andere wäre Resignation und sicher auch nicht Ziel des Buches. Mich persönlich hat das Buch nicht umgehauen. Jedenfalls nicht so schonungslos, wie es die Autorin auf den ersten Seiten »androht«. Denn die allermeisten Erkenntnisse in diesem Buch sind für mich nicht neu und erschrecken mich daher nicht. Das mag anderen Zeitgenossen, die sich vielleicht nicht so intensiv mit den Möglichkeiten nachhaltigerer Lebens- und wirtschaftsweisen auseinandersetzten, ganz anders ergehen. Ich bin sicher, viele wird es schockieren. Denn jede Generation bekommt hier ihr Fett weg. Auch unsere Eltern. Unverblümt. Denn es ist bereits fünf nach zwölf.

man müsste mal | claudia langer | foto | oliver schuh

man müsste mal | claudia langer | foto | oliver schuh

Dieses Buch ist keine Streitschrift, sondern eine Anklageschrift. Es verdonnert uns alle, endlich zu handeln, statt zu lamentieren. Ich bin sicher, bei einigen wird es das Gegenteil bewirken. Das bleibt nicht aus. Das wird auch Claudia Langer wissen. Die Hoffnung ist aber, daß es bei uns allen klickt und wir aus der Lethargie erwachen, die uns lähmt, die Zukunft endlich tatkräftig und verantwortungsvoll in die Hand zu nehmen.

Claudia Langer stellt zehn Paragraphen auf, an denen wir uns messen lassen müssen. Einen davon möchte ich gern zitieren, weil genau dieser Paragraph (neben anderen) mich besonders in meinem eigenen Bestreben um Nachhaltiges Kommunikationsdesign antreibt:

»§ 4 – WIR, DIE »MAN MÜSSTE MAL«-ELITEN, ÜBERNEHMEN VERANTWORTUNG
Wir informieren, statt totzureden. Wir exponieren uns und gehen ein Risiko ein. Wir überzeugen, statt abzuwägen. Wir fordern Taten, konkret, und gehen selbst mit gutem Beispiel voran. Wir verändern, statt zu zerreden. Wir sind uns unserer Vorbildfunktion bewusst und nehmen sie ernst. Nicht nur in den Talkshows, Feuilletons und Bürgersalons. Sondern im wahren Leben.«

Ich hatte mich zwischenzeitig gefragt, wer zur Zielgruppe dieses Buches zählt. Es ist sonnenklar: jeder.

Claudia Langer
DIE GENERATION MAN MÜSSTE MAL
Eine Streitschrift

Erschienen 2012 im Droemer Verlag
ISBN 978-3-426-27576-4
Hardcover, 190 Seiten, 18,- Euro

Wer handeln will, kann dies auch hier tun und unterschreiben:
DAS GENERATIONEN-MANIFEST – 10 Warnungen und 10 Forderungen an die Politik
Bis zur Bundestagswahl am 22. September 2013 sollen mindestens 100.000 Unterschriften gesammelt werden. Bis heute sind es rund 76.000. Mit Ihrer Hilfe und Verbreitung sind die 100.000 noch zu schaffen.
Initiatoren sind neben Claudia Langer viele Prominente.

der kreative Butterberg …

… oder die Fettecke der Kreativwirtschaft?

 

der kreative butterberg | cartoon | oliver schuh

der kreative butterberg | cartoon | oliver schuh

 

Seit einigen Jahren macht Politik eine Wachstumsbranche aus und nennt sie (Kultur- und) Kreativwirtschaft. Mit rund 137 Mrd. Umsatzvolumen in 2010 – laut »Monitoring zu ausgewählten wirtschaftlichen Eckdaten der Kultur- und Kreativwirtschaft 2010« der Bundesregierung – kann man das Potenzial auch kaum übersehen. Und auf den ersten Blick macht es fast ein wenig stolz zu den »nur« eine Million Menschen zu zählen, die diese Umsätze erzielt haben sollen. Die Dunkelziffer der Beteiligten dürfte dabei aber wesentlich höher liegen. All die Neffen, Nichten und Kukis und all diejenigen die unter einem Jahreseinkommen von weniger als 17.000 Euro liegen, werden meines Wissens nämlich nicht erfasst. Und das dürfte eine nicht ganz kleine kreative Ansammlung sein.

Nun erkennt die Politik also Potenzial und will fördern. Im allerersten Moment habe ich mich dabei erwischt zu fragen, warum man etwas fördern will, was aus sich selbst heraus offenbar eine Erfolgsgeschichte ist? Und im zweiten Moment fallen mir diverse staatliche Subventionsmodelle ein, die oft nicht das erzielt oder schlimmer noch, daß Gegenteil von dem bewirkt haben, was eigentlich erreicht werden sollte.

Erst neulich wurden in einer Plenarsitzung, in gemütlicher Runde die Anträge zur Förderung der Kreativwirtschaft von Regierungsparteien und Opposition diskutiert. Nach meinem Empfinden wurde recht deutlich, daß die Redner Ihrer Parteien eine jeweils recht unterschiedliche Auffassung davon hatten, was eigentlich in den sehr dehnbaren Oberbegriff Kreativwirtschaft gehört? Mal davon abgesehen, daß dieser Begriff unvollständig ist. Heißt doch der neuersonnene Wirtschaftssektor Kultur- und Kreativwirtschaft. Und laut Wiki gehören dann auch gleich elf Teilbereiche dort hinein: »Musikwirtschaft, Buchmarkt, Kunstmarkt, Filmwirtschaft, Rundfunkwirtschaft, Markt für darstellende Künste, Designwirtschaft, Architekturmarkt, Pressemarkt, Werbemarkt sowie Software/Games-Industrie.« Wohlgemerkt, es geht jeweils um die jeweiligen Märkte. Und so scheint es mir auch nicht weiter verwunderlich, daß die Regierungsparteien sich eher um die Förderung der Wirtschaft, als um die Förderung von Kultur und Kreativität kümmern möchten, während die Opposition sich mehr um das Auskommen, die Altersabsicherung und die urheberrechtlichen Belange der kulturellen und kreativen Akteure zu bemühen scheint. So mein Eindruck.

Für die Teildisziplin Designwirtschaft bleibt zu hoffen, daß Politik dem inflationären Run auf die hippen Berufe nicht noch mehr Vorschub leistet, denn schon jetzt gibt es einen kreativen Butterberg, der wächst und wächst.

Wer Spaß an den Reden zur (Kultur- und) Kreativwirtschaft hat, findet die Streams hier: Förderung der Kreativwirtschaft

stärkung der designwirtschaft

15 forderungenAls erster Designverband bezieht die AGD klar mit 15 Forderungen an die Politik Stellung: Der Urheberschutz muss ausgeweitet, der ermäßigte Steuersatz für Designleistungen grundsätzlich eingeführt und über die Künstlersozialabgabe muss seitens der Bundesregierung und der KSK besser informiert werden.

Quelle: www.agd.de

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