die gebrauchsgrafiker | der blog

»transparenz schafft akzeptanz«

Letterpress im FEDRIGONI Showroom …

… da lacht das Gebrauchsgrafikerherz

Es ist immer ein sehr schönes Erlebnis zu einer der ausgesuchten Veranstaltungen in den FEDRIGONI Showroom Hamburg eingeladen zu werden. Optisch, haptisch, kulinarisch und auch menschlich. Und ja, es war mir wieder eine Ehre. Zum einen, weil solche Events naturgemäß nur im kleineren Rahmen stattfinden können, aber zum anderen auch, weil man sehr bewußt zu ganz bestimmten Themen eingeladen wird, die einen wirklich interessieren und zu denen man auch beitragen kann. Eine wunderbare Wertschätzung.

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letterpress | foto | oliver schuh

Letterpress! Der Videovortrag mit vielen Exponaten zum Anfassen von Gerrit Baumann und seinem Officina Polychroma in Hamburg, erinnert an die Zeiten, als ich noch mein Atelier neben einer Druckerei hatte und den Heidelberger Tiegel wie den Herzschlag eines Menschen stampfen hören und fühlen konnte. Das weckt Sehnsüchte nach detailverliebter, traditioneller Handwerkskunst und der Wertschätzung im Umgang mit Papier. Nicht palettenweise und auch nicht von der Rolle, sondern Bogen für Bogen – entschleunigt.

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oliver schuh (li.) beim haptischen genuß | foto | nadien seemann

Faszinierend aber auch, wie ein jahrhunderte altes Verfahren, nämlich der Buchdruck, eine gewisse Renaissance erlebt. Faszinierend erschreckend aber auch die Fragen aus dem Publikum zur Vermarktung und den Druckkapazitäten des vergleichweise langsamen Heidelberger Tiegels. Dass der Hochdruck an sich und bei den Agentur-Youngsters vermutlich bald sogar der Offset-Druck, nicht mehr zum Rüstzeug gehören, sondern einzig das WYSIWYG am Monitor zu zählen scheint, ist fast zu erahnen. Umso schöner, wenn es noch alte Haudegen gibt und ihnen durch FEDRIGONI eine Bühne gegeben wird. Wunderbar.

 

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Exzellente Letteratur für den Schüler und den Meister

Seit letztem Sommer liegt die aktuelle Ausgabe von Letterfontäne immer in greifbarer Nähe. Und seit letztem Sommer hatte ich angekündigt meinen Eindruck zu diesem Werk über die Entstehung und den Umgang mit Typografie hier niederzuschreiben. Gar nicht so einfach diesem wunderbaren Buch gerecht zu werden. Quasi die überwältigende Sprachlosigkeit. Jetzt – nach dreimaligem Durcharbeiten – das Fazit vorweg: Dieses Typografie Werk von Joep Pohlen gehört in jede Bibliothek von Menschen und Institutionen die mit Schrift umgehen, den Umgang mit ihr lehren oder das Wissen um Typografie vertiefen wollen. Gleichsam Geschichtsbuch, Lehrbuch, Nachschlagewerk und Schriftmusterbuch in einem. Ein Buch für den Schüler und den Meister. Prädikat: wertvoll!

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letterfontäne | foto | olli schuh

Bereits die Ausgabe von 1996, mit seinem kompakten Wissen und zu einem »democratischen Preis«, hat mich frohlocken lassen und mich zu einem Loblied veranlaßt: Exzellente Letteratur!

Die aktuelle Ausgabe ist aber viel mehr. Nicht nur vom tatsächlichen Seitenumfang, sondern eben auch inhaltlich. Der Entwicklung der Schrift bis hin zum Druck mit Lettern, die technischen, gesellschaftlichen oder künstlerischen Einflüsse erhalten ausführliche Beachtung und Betrachtung. Der Schriftmusterteil ist etwas kompakter geworden. Dafür sind Alternativvergleiche auf der Suche nach dem passenden Font hinzugekommen. Der Umgang und Einsatz von Schrift, Typografieentwurf, Satzgestaltung bis hin zu Detailtypografie werden vermittelt ohne in Stein gemeisselte Rezepte zu liefern, sondern um anzuregen und zu sensibilisieren.

Der Anatomie und Ästhetik von Buchstaben und Fonts sind große Teile gewidmet, durchziehen aber immer wieder alle Bereiche des Buches.

Wem dies nicht genug ist, der findet in der sehr umfangreichen Bibliografie, die Werke, aus denen der Autor Joep Pohlen sein Wissen schöpft. Diejenigen Titel, die Letterfontäne überdurchschnittlich beeinflusst haben, sind dabei rot herausgestellt. [Ich wäre noch glücklicher, könnte ich behaupten nur ein Zehntel dieser feinen Bibliothek zu kennen oder gar zu besitzen.]

Sehr umfangreich sind auch die Indexe zu Schriften, Schriftenentwerfer und Schriftenverlage. Im Glossar werden auch allgemein in der Typografie verwendete Begriffe besprochen, die ansonsten nicht im Buch vorkommen. Die im Buch verwendeten Begriffe finden sich im Allgemeinen Index.

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letterfontäne | foto | olli schuh

Dieses Buch liest sich einerseits wie ein historischer Tatsachenroman der Typografie. Andererseits fesselt es einen sofort an jeder x-beliebigen Stelle, egal welche Seite man aufschlägt. Vermutlich fixt es mich auch deshalb so an, weil ich von Haus aus die Entwicklung vom Bleisatz, über den Fotosatz, bis hin zur Digitalisierung von Schriften hautnah und praktisch miterlebt habe.

Es bekommt einen Ehrenplatz in meiner kleinen Sammlung. Besten Dank, lieber Joep Pohlen und Geert Setola (der dem Autor tatkräftig zur Seite stand)!

Letterfontäne – Anatomie der Schrift
Joep Pohlen
Hardcover, Halbleinen, drei farbige Lesebändchen, 16,8 x 24 cm, 640 Seiten
Inkl. Typometer
Website: http://www.letterfountain.com/DE/indexD.html

Verlag TASCHEN
ISBN 978-3-8365-2510-7
€ 49,99

Anmerkung zum Schluß: Auf die Frage von Joep Pohlen, wer dieses Buch in Deutschland verlegen könnte (die vorherige Ausgabe erschien im niederländischen Verlag FONTANA), empfahl und vermittelte ich damals ungesehen den Verlag Hermann Schmidt | Mainz. Umso erstaunlicher das Erscheinen im Verlag TASCHEN, den ich bis dato anders positioniert sah.

 

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Zum freien Download: Font Calypso PF

und das »Making of Calypso PF« von Marjolein Koper und Joep Pohlen

Der helle Wahnsinn, wie ich finde. Mit welcher Akribie und mit welchem Enthusiasmus hier zu Werk gegangen wird. Wenn einem eine digitalisierte Schrift nicht gefällt, dann digitalisiert man eben selbst. Muß sich wohl Joep Pohlen gesagt haben:

Und obendrein ist die Calypso Interpretation, die auf der Calypso von Roger Excoffon basiert, frei erhältlich: Calypso PF

Aber Achtung! »Was nichts kostet, ist auch nichts!«, darf hier getrost vergessen werden.

»Coats of arms of the Book Trade«
Klein, fein und mit Liebe eingewickelt in Seidenpapier und Finnischer Papierkordel lag es seit Tagen vor mir. »Coats of arms of the Book Trade« von Joep Pohlen, Verlag Fontana, aus den Niederlanden. Voller Ehrfurcht habe ich mich tagelang nicht »getraut« dieses kleine, handsignierte und auf 250 Exemplare limitierte Werk zu öffnen. Bis ich die wirkliche Ruhe und das richtige Licht auf unserer Sonnenterrasse hatte, um mich mit allen Sinnen auf dieses Erlebnis einzulassen. Bis dahin war es pure Selbstgeisselung. Das Warten hat sich gelohnt. Die Bilder können nur erahnen lassen, was ich da für ein Schmuckstück in Händen und Ehren halte.

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coats of arms | letterfontäne | foto | oliver schuh

Zum Größenvergleich daneben ein Rezensionsexemplar der neuen stark erweiterten Ausgabe von »Letterfontäne – die Anatomie der Schrift«, ebenfalls aus der Feder von Joep Pohlen. Dazu später mehr.

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coats of arms 1 | foto | oliver schuh

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coats of arms 2 | foto | oliver schuh

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coats of arms 3 | foto | oliver schuh

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coats of arms 4 | foto | oliver schuh

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coats of arms 5 | foto | oliver schuh

Bewußt verzichte ich noch auf eine weitere Beschreibung dieses kleinen Schätzchens und lasse so gut es geht, die Fotos wirken. Mit KLICK auf das jeweilige Bild, erhält man eine größeere Ansicht. Später aber mehr dazu. Jetzt erstmal weiterfreuen.

»Coats of arms of the Book Trade«
von Joep Pohlen
Verlag Fontana, Niederlande
150 x 108 mm, 16 Seiten, 6 eingesteckte Karten
auf 250 Exemplare limitiert, nummeriert, handsigniert
ISBN 978-90-75084-00-9
Preis: € 24,00 zuzüglich Versand

Nun hatte ich gerade die Idee das Auswickeln dieses feinen Büchleins noch mal zu filmen und entdecke den Meister selbst:

Echte Typen …

… gibt es selten
Diese hier, hat es in sich. Die Ernst_55. Ein Freefont von Ernst, der erst mit 55 Jahren oder sollten wir besser sagen, der noch mit 55 Jahren das Lesen und Schreiben gelernt hat. Hut ab, vor dieser Leistung! Das ist aber noch nicht alles. Er hat noch einen drauf gesetzt und einen eigenen Font erstellt. Digitalisiert von www.fontshop.de. Und wer diesen Freefont kostenlos herunterlädt tut obendrein noch etwas Gutes. Denn die Volksbanken Raiffeisenbanken spenden pro Download 1€ an Ernsts Selbsthilfegruppe. Eine gelungene Aktion, die verbreitet gehört!

Ernst 55 Type in

ernst_55 – Typen von Typen

oder zurück in die Zukunft
Dieses Typografie Werk hat mich sozusagen von Anfang an interessiert, habe ich doch sogar schon den unbedruckten Blindband vorab in Händen halten dürfen. Selbstredend gefällt mir das gedruckte Werk noch um einiges besser. Und da schnalzt der Buchfreund und Typografie-Junkie vor Freude. Inhaltlich, wie auch äusserlich.

Gregor Stawinski, der Konzept, Text und Gestaltung in Personalunion abliefert nimmt uns mit auf eine »typografische Zeitreise« und stellt dabei »über 400 der beliebtesten Retrofonts aus zwei Jahrhunderten Typedesign« vor. Dabei hält er sich in seiner Kategorisierung nicht unbedingt an die Erscheinungsjahre der Schriftschnitte, sondern eher an den Zeitpunkt der größten Popularität der Fonts und stellt sie entsprechend auch in zeitgemäßen Illustrationen oder Anwendungen dar. Genau das erinnert mich auch wieder an »FRESH FONTS« von Joep Pohlen und dessen Buchkonzept über moderne Schriften, vielleicht die Inspiration für »Retrofonts«.

Bei der Gestaltung und Umsetzung wurde nichts dem Zufall überlassen. Wundert man sich z.B. über das angenehm warme Seitenweiss, welches man so vom Lessebo Design Papier eigentlich nicht kennt, bekommt man auf Nachfrage beim Verlag den Hinweis, daß das Papier noch im Chamonix Fond Druck verfeinert wurde. Auch wurde für den Druck hochpigmentierte Anivafarben von Epple verwendet. Vielleicht ja eine Anlehnung oder Hommage an die Druckkunst und Lithografien alter Tage. Sehr gelungen.

Erstklassig übrigens auch, wenn die Fonts negativ dargestellt werden.

Und als wenn über 400 Retrofonts auf über 600 Seiten nicht genug wären, legt der Autor auch noch eine CD ROM mit 222 Retro-Free-Fonts aus dem Buch bei.
Wenn das nicht ein rundum schlüssiges Paket ist, daß zum Experimentieren anregt?

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retrofonts titel | foto | oliver schuh

Retrofonts 2 in

retrofonts innenteil | foto | oliver schuh

Retrofonts
von Gregor Stawinski
erschienen im
Verlag Hermann Schmidt Mainz, 2009

624 Seiten, Hardcover + CD ROM
49,80 EUR

Übrigens: Nachhaltig produziert!

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Fresh Fonts

fonts with a twist
Gestern erhielt ich eine schöne Nachricht von Joep Pohlen, einem der beiden Autoren von Letterfontäne, dessen einmaliges Typografie-Buch ich bereits schon vor einiger Zeit hier besprochen habe. Eine Neuauflage wird herausgegeben! Leider bisher nur auf niederländisch, aber wenn ein deutscher Verleger gefunden ist, dann auch auf deutsch. Ich bin gespannt.

Tatsächlich hat mich aber diese Nachricht auch daran erinnert, daß ich noch eine Buchbesprechung aus dem Hause Fontana vorenthalten habe: FRESH FONTS  – fonts with a twist.
Wenn es auch völlig anders ist, ist es doch wieder genial. Wie der Titel schon sagt, handelt es sich um ein Buch frischer, neuer, moderner, modifizierter Schriften, die sich nicht von althergebrachten Einschränkungen wie dem Killerargument Lesbarkeit verleiten ließen. So eignen sich die meisten Fonts sicher nicht für Mengetexte, sondern sind überwiegend für den Einsatz in Headlines konzipiert.

Freshfonts 1 in

fresh fonts titel | foto | oliver schuh

Eingeschlagen in einen ungewöhnlichen Schutzumschlag aus Papier, neongelb/schwarz bedruckt, hat mich wohl schon die Grafik auf dem Titel angesprochen. ;-) Nach einer Einleitung von Joep Pohlen geht der Autor auf Font Foundries ein, die einen großen Anteil an der modernen Schriftentwicklung haben. Die Schriften selbst sind in Gruppierungen eingeteilt und teils durch exzellente Illustrationen von Puk (Patrick de Hondt) in Szene gesetzt. Ohnehin ist Puk für das gesamte Layout und die grafische Gestaltung von FRESH FONTS verantwortlich.

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fresh fonts illustrationen | foto | oliver schuh

Sicher kann ich da nur für mich sprechen, aber ich halte selbstverständlich nicht alle gezeigten Fonts für gelungen. Wohl kaum jemand würde alle Schriften einer Fontsammlung verwenden. Aber hier ist eine ansehnliche Auswahl einiger Fonts versammelt, die ich mir auch in eigenen Arbeiten hier und da vorstellen kann und, vielleicht sogar das Wichtigste, die anregen anders mit Typografie umzugehen oder gar neu zu entwickeln.

Prädikat: wertvoll!

Wie schon bei Letterfontäne ist der Preis wahrlich »democratisch«

€ 17,90

FRESH FONTS – fonts with a twist
Autor: Joep Pohlen
Zusammenstellung und Grafik-Design: Puk (Patrick de Hondt)
Erschienen: 2002 im Verlag Fontana, Roermond, Niederlande
240 Seiten

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Exzellente Letteratur!

LetterFontäne – für gute Bücher ist es nie zu spät.
Erst jetzt bin ich durch einen kleinen Werbeflyer für AGDler auf dieses Werk aufmerksam geworden. Ich kann noch immer nicht begreifen, wieso dieses Typografie-Buch nicht längst Bestandteil meiner Fach(idioten)bücher ist? Bereits 1996 erschienen, zugegeben, nach in Augenscheinnahme des Schmutztitels war ich etwas verblüfft, entpuppt sich dieser Wälzer sehr schnell als zeitloses Standardwerk für Grafiker und solche, die es werden wollen.

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„Dieses Buch ist als Buchwerk vor allem Arbeitsbuch und möchte den Computerschriftanwender stützen im Kampf gegen den Zufall.“ So heißt es im Schmutztitel. Verfaßt, redigiert und entworfen von Geert Setola und Joep Pohlen. Erschienen im März 1996 im VERLAG FONTANA. ISBN90-75084-04-8

Dabei könnte man das Zitat nun missverstehen und meinen, man bekommt hier auf 448 in Leinen gebundene Seiten Lösungen gegen den Zufall, Rezepte oder Anleitungen. Nein. Das Gegenteil ist der Fall. Hier wird sensibilisiert für Typografie. Kein Kochbuch, sondern fundierte Anregung. Ganz nach meinem Geschmack.

Völlig verblüffend auch der „democratische“ Preis: € 29,90 für AGDler sogar nur € 17,90!
Und das für ein Buch mit reddot design award und die deutsche Ehrenauszeichnung für hohe Designqualität!
Das zahlt man ja sonst schon für ein Taschenbuch mit tausendfach widergekäuten Marketingphrasen.

Nun, alles will ich aber nicht erzählen. Nur soviel: Spaß an Typografie sollte man schon haben.

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