die gebrauchsgrafiker | der blog

»transparenz schafft akzeptanz«

Die Macht der Farbe

Irgendwo hier im Blog habe ich bereits über meine Vorgehensweise beim Entwurf von Signets sinniert. Erst die Form, dann klappt es auch mit der Farbe oder so ähnlich. – Ah, hier, gefunden: Stimmt die Form, klappt’s auch mit der Farbe.

Die Wirkung der Farbe entfaltet sich umgekehrt immer dann, wenn es auf die Form nicht ankommt. Oder fast nicht. Denn in dieser schönen Begebenheit, die zeigt, wie wunderbar einfach Wiedererkennungswert herzustellen ist, ist die Form eine Jacke – genauer gesagt, eine Trainingsjacke.

Und Trainingsjacken findet man meist in Sportvereinen oder auf Camping-Plätzen. Und darum zitiere ich mal aus unserem hiesigen Sportverein TSV Stelle, genauer, der Fußballabteilung:

»Möge die Jacke mit Dir sein!

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TSV Stelle Jackenträger: Oliver Schuh | Janaina

… Eines Abends um Himmelfahrt 2017 herum, finden sich Freunde, Ihre Kinder und deren Freunde und selbstverständlich meine Familie auf unserem Lieblingscampingplatz an der Ostsee ein, um zünftig unter freiem Himmel zu grillen. Die Freunde der Kinder hat man bereits oberflächlich kennengelernt, aber zuvor noch nie gesehen.

Da sich nun alle an der Camping-Tafel eingefunden hatten, stach mir am Ende des Tisches eine mittelblaue JAKO Trainingsjacke in die Augen. Sofort deutete ich Janaina, Trägerin dieser Jacke, sich doch bitte mal umzudrehen. Alle waren sichtlich erstaunt. Und ich erst. Prangte doch in großen Lettern das »TSV Stelle« auf ihrem Rücken!

Sofort folgten die Fragen, wieso, warum, weshalb und sowieso. Heraus kam, daß Janaina bereits vor einigen Jahren beim TSV Stelle Fußball gespielt hatte. Und zwar im Jahrgang 2003, meiner aktuellen U15 Mannschaft! – Zufall? Schicksal? Oder geplant? – Irgendwie wohl alles. Sofort lud ich sie ein sich doch mal unser Training anzuschauen. Ehrlich gesagt ohne große Hoffnung. Umso freudiger die spontane und offenbar völlig selbstverständlich Antwort: »ja, klar!« – Klasse! …« Die ganze Anekdote gibt es hier.

Natürlich ist es nicht ganz richtig, wenn ich eingangs schrubbte, es käme in diesem Falle nicht auf die Form an. Im Grunde ist die Jacke die Form. Noch genauer, die Jacke ist der Kontext. Hätte Janaina also eine Handtasche in diesem Blau gehalten, würde kein Otto-Normalverbraucher die Brücke zur Fußballabteilung des TSV Stelle schlagen. Noch dazu gab es auch sonst kaum Kenntnisse oder Hinweise auf eine Verbindung. Zugegeben, nun bin ich doppelt involviert. Einmal als Trainer und dann als Gestalter, der eben auf solche Wiedererkennbarkeit Wert legt und entsprechende Antennen aufweist.

Streng genommen wird die Wiedererkennung durch eine weitere »Farbe« unterstrichen: Weiß. Der weiße Schriftzug »TSV Stelle« auf der Rückseite ist zwar nichts Besonderes, bzw. bietet sich an, würde aber z.B. in schwarz vermutlich nicht eindeutig auf unsere Fußballabteilung hinweisen.

Als Gebrauchsgrafiker treibe ich es dann ja auch auf die Spitze. Das Blau der Jacke, das Weiß des Vereinsschriftzuges und drunter das Gelb des Sponsors. Und für den, der weiß, daß die Farben der Fußballabteilung Blau und Gelb sind, schließt sich der Farb-Kreis. Ein wirklich rundes Bild ergibt sich dann durch die Typografie. Insofern kommt dann im Detail doch wieder die Form ins Spiel. Immerhin. Mittlerweile zieht sich diese Kombination durch Trikots, Trainingsanzüge, Website, Facebook und Plakate.

Es liegt aber auch in der Natur eines ehrenamtlich geführten Vereins, daß jeder engagierte Trainer, jeder Verantwortliche, jeder Sponsor so seine eigenen Vorstellungen verwirklicht haben will. Obwohl, manchesmal ist es in Unternehmen nicht anders und so wird völlig ohne Not die Wiedererkennbarkeit untergraben.

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Oder: Never say, never change a running system

Und irgendwann kommt dann eben doch der Tag, an dem man sich den Mühlen einer Upgradeschleife hingeben muß. Quasi unverschuldet. Denn bislang war ich mit meinem ollen Betriebssystem Windows Vista und meiner Adobe Creative Suite 4 Mastercollection sehr zufrieden. Auch mein HP Pavilion aus dem Jahre 2008 tut hier täglich ohne Murren seinen Dienst. Murren. OK. Der Lüfter der Radeon Grafikkarte bekommt ab und an ein Tröpfchen Nähmaschinenöl und in dem Zuge saugt man auch schonmal durch. Aber das war es dann auch mit Inspektion oder gar Ersatz von Komponenten. Kurz: Ich habe bis zum heutigen Tage nicht wirklich etwas vermisst. Die Performance des Rechners kann immernoch mit heutigen Geräten mithalten. Das Betriebssystem hat mir nie Ärger bereitet und meine Mastercollection lies keine Wünsche offen. Ohnehin habe ich vermutlich kaum eine Ressource auch nur annähernd ausgeschöpft.

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upgrade | foto | oliver schuh

Warum also ein Upgrade. Genauer gesagt, warum ein Upgrade auf Adobe CC?
Hm. Warum eigentlich? So ganz genau kann ich es gar nicht mehr sagen. Vermutlich war es eine Mischung aus verschiedenen Gründen. Ein wichtiger Grund war wohl, daß mittlerweile Auftraggeber – warum auch immer – Adobe CC oder wenigstens CS6 ihr »eigen« nennen und man nicht das Nadelöhr zwischen Kunde, Kollegen und Medienproduktioner sein will. So sehr ich auch mit meiner altbackenen Haltung kokettiere. Es war denn also mehr ein Zugzwang, um den ewigen Rechtfertigungen aus dem Weg zu gehen. Ja. Ermüdungserscheinungen und fransige Unterlippe machten sich breit. Diese Energieverschwendung kann man sich auch sparen.

Kleinere Auslöser waren dann noch ein paar Features die mir einen Mehrwert suggerierten.

ABER, der vermutlich wichtigste Grund war Sohnemann, der sich mit Adobe Photoshop Testversionen probierte. Und da ja meine Kinder mal mein Imperium übernehmen sollen, konnte ich natürlich nicht umhin gleich die aktuelle Version zu buchen. Hier hätte es sicher keinen Sinn mehr gemacht eine alte CS4 Arbeitsplatzversion auf den, von meinem Sohn selbst zusammengestellten Monsterrechner mit Win 10 pro zu installieren. Also flugs noch geschaut, ob mein Rechner den Versionsprung verkraftet und siehe da, Adobe meint, mein Rechner schafft das und erlaubt CC parallel zu den bestehenden CS4 Versionen zu installieren. Prima.

Dachte ich.
Nachdem ich tatsächlich – und habe ich einmal eine Entscheidung getroffen, setze ich sie auch spontan um – die Fußfessel Abonnement ignoriert hatte und das komplette Paket gebucht habe, wollte ich es dann natürlich auch wissen. Und? Was war? Pustekuchen. Der Download von Photoshop CC funktionierte, doch die Installation nicht. Vista wird nicht unterstützt. Prima. Dieser Hinweis war vorher nirgendwo zu finden. Ein Systemcheck seitens Adobe VOR Buchung eines Abonnements wäre eine hilfreiche Möglichkeit.

Zwischenlösung.
Sohnemanns Win 10 pro Rechner mußte her. Plötzlich ist dann Adobe aber oberschlau und erkennt, daß Sohnemann bereits eine 7-Tage Testversion laufen hatte. Abgelaufen, wohlgemerkt. Kein Problem. Die Frage nach einer gültigen Adobe-ID konnte ich ja Dank käuflich erworbener Lizenz beantworten. Pustekuchen II. Stets verwies das schlaue CC auf eine bereits installierte, aber nicht mehr lauffähige Testversion. OK, dann deinstallieren wir den Quatsch mit der Testversion doch einfach. Pustekuchen III. Geht nur mit neuer oder alter ID, ich weiß es nicht mehr so genau. Weder die für die Testversion nötigen Zugangsdaten, noch die neue, käuflich legitimierte ID wurde angenommen.

Adobe Support Chat.
Dann fragen wir doch mal eine freundliche Dame, namens Elisabeth und erfuhren, daß wir zunächst den Adobe Creativ Cloud Manager hätten installieren sollen. Oder hieß es Applikation Manager? Ich weiß es nicht mehr genau. Doch eines weiß ich. Nirgendwo auf der Seite der im Abo zur Verfügung stehenden Applikationen (Programme) gab es den Hinweis, erst oder überhaupt diesen Manager zu installieren. Auch ist das Teil nicht prominent ganz oben aufgeführt, sondern befindet sich, vermutlich alphabetisch sortiert irgendwo mittenmang.
Und, natürlich funktionierte auch das nachträgliche Installieren nicht.

Es kommt noch besser.
Mit der neuen Info, es gäbe einen Applikation Manager, bin ich dann wieder an meinen Rechner gegangen und habe das Teil ganz stumpf dort installiert. Zack. Löpt. Ohne Murren lies sich das gute Stück auf meinem alten Vista Rechner einrichten. Mehr noch. Die im Manager gelisteten Programme ließen sich nun von dort aus installieren. Sieh mal einer an, dachte ich. Bis, ja, bis meine anfängliche Euphorie schwand. Denn während mir das Installations-Tool suggerierte, ich hätte nun InDesign, Photoshop und Illustrator CC auf meinem Rechner, holte mich am nächsten Tag, also nach einem Neustart die Ernüchterung wieder ein. Im Applikation Manager sah ich nun die richtige Bezeichnung der bereits installierten Versionen. Allesamt waren es lediglich CS6 Ausgaben.

Durchatmen.
Und eine weitere Nacht drüber schlafen, dachte ich. Denn ich war kurz vorm Storno. Und dann endlich die lange hinausgezögert Entscheidung ein System-Uprade auf Win 10 pro zu vollziehen. Immerhin hatte ich mir die vergallopierten Win 7 und 8 Experimente gespart. Systemcheck und siehe da, meine Kiste schafft auch diese Hürde noch mit einem Lächeln. Nur, Win 10 kann man selbstverständlich nicht einfach über Vista drüberbügeln. Und ehrlich gesagt, wäre mir dieser Weg auch viel zu unsicher. Also habe ich es wie Sohnemann gemacht, der sich vor einem Jahr seinen eigenen Rechner zusammengestellt hatte. Eine jungfräuliche Samsung SSD 850 EVO mußte her.

Arschglatt.
Blank wie ein Babypopo wurde flugs die neue SSD – eine ultraschnelle und solide Speicherplatte, die künftig ausschließlich für Betriebssystem und Adobe Applikationen zuständig sein wird – eingebaut. Win 10 pro drauf. Adobe Application Manager drauf. Die wichtigsten Programme – diesmal wirklich CC – drauf und superschnelle Ladezeiten genießen. Tatsächlich ein Quantensprüngchen in Sachen Performance. Das Gute an dieser Vorgehensweise: Das alte Betriebssystem mit allen funktionierenden »alten« Programmen bleibt erhalten und kann nach Bedarf im Bootvorgang ausgewählt werden. So entsteht ein völlig neuer Arbeitsplatz ganz auf Nummer sicher. Bis auf die neue Samsung SSD, war keine neue Hardware nötig. Kein Computerschrott, kein neues Gerät. Wenn das nicht nachhaltig ist? Sorry, HP. ;-)

Fazit: Ob sich das Adobe Upgrade gelohnt hat, vermag ich noch nicht zu beurteilen. Ich vermute, ich werde prozentual noch weniger ausschöpfen können. Allerdings hat das Abo eine Kettenreaktion ausgelöst, die ich geahnt und daher immer vor mir hergeschoben habe. Schlußendlich haben mich meine Umgebung und Adobe mit sanfter Gewalt zu einer Neuinstallation »gezwungen«.

An dieser Stelle möchte ich bitten von Beileidsbekundungen abzusehen. Ein Apple kommt mir nicht ins Haus. Vermutlich hätte ich in den letzten acht Jahren, in denen mein HP zuverlässig seinen Dienst versieht – und ein Ende ist nicht abzusehen – minimum vier Apple Rechner durchschleusen müssen. Und das ist dann gar nicht nachhaltig.

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… für Nachhaltigkeit im Design

Genau genommen, vollzog sich dieser Akt schon auf der BDG Präsidiumssitzung in Weimar, Ende 2015. Schließlich habe ich mich u.a. mit diesem Päckchen im Koffer auch zum BDG Präsidiumsmitglied wählen lassen. Also, mit einem ganz klaren Thema: Nachhaltigkeit im Design. Nun kommen die Weihen auch ganz analog, schwarz auf weiß und erinnern mich daran ein wenig Dampf zu machen.

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bdg berufung | foto | oliver schuh

So hat sich denn auch auf der letzten BDG Präsidiumssitzung in Hamburg ein Arbeitskreis aus den Präsidiumskolleginnen Leonie Altendorf (Wuppertal), Janina Lermer (München) und meiner Wenigkeit (Hamburg) gebildet. Schnell wird klar, die Position des Verbandes zum Thema Nachhaltigkeit zu erarbeiten ist so einfach, wie komplex. Wie man an meiner These »Gutes Design ist nachhaltig« aus dem Jahre 2011 ablesen kann. Ich bin sehr zuversichtlich, daß wir in diesem Team einen guten Beitrag erarbeiten und leisten werden.

Ich bin sehr gespannt auf die Zusammenarbeit und bedanke mich für das Vertrauen insbesondere bei Dorothea Schwabe, Leiterin des Referats Design, die mich schließlich berufen hat.

6. Media Mundo Kongress 2015

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6. Media Mundo Kongress 2015

Am 11. November erwartet die Besucher des 6. Media Mundo Kongresses 2015 wieder eine illustre Auswahl an Rednern und Vordenkern.
Und am Vorabend kann man sich schon in geselliger Runde warmdenken und -diskutieren.

WUT allein reicht nicht!
Betitelt der Autor, Schauspieler und Umweltaktivist Hannes Jaenicke seinen halbstündigen Beitrag und ist damit vermutlich in diesem Jahr der bekannteste Redner.

Ich bin wieder sehr gespannt auf die Denkanstösse, Diskussionen, Sichtweisen und Ergebnisse.
Und ich arbeite immer noch daran, auch die Kreative Zunft an die Gesprächstische dieser Brancheninitiative des f:mp. (Fachverband Medienproduktioner) zu bekommen. Immerhin, der BDG (Berufsverband der Kommunikationsdesigner) ist bereits Verbandspartner. Und wer weiß? Vielleicht bekommen wir dann im nächsten Jahr einen möglichen neuen, fusionierten Dachverband aus Deutscher Designertag und iDD mit gebündeltem Wirkungsgrad an den Tisch.

Besonderes Bonbon:
– alle f:mp.-Mitglieder können den Kongress kostenfrei besuchen
– alle ehemaligen Media-Mundo-Kongressteilnehmer können den Kongress kostenfrei besuchen und
– alle BDG Mitglieder erhalten Sonderkonditionen
Und wer ganz lieb ist, erhält von mir ein kostenloses VIP Ticket für den 11. November!

Alle weiteren Details gibt es hier: http://www.mediamundo.biz/kongress/kongress2015

»Digital! Digital!«

Entscheidend ist auf dem Platz

Während andere noch virtuell schwadronieren was hätte, könnte oder sollte alles sein, stürmen wieselflinke Gebrauchsgrafiker über’s graue Grün.

Alle Welt schreit nach der digitalen Wollmilchsau, dem glückbringenden Allheilmittel per Klick. Digital Goldrush könnte man sagen. Dabei müssten doch alle noch die New Economy Blase im Gedächtnis haben. Der Schrei nach Informatik als Unterrichtsfach ab Klasse 5 wird immer lauter – vermutlich von Leuten, die gar keine Kinder haben oder wenigstens nicht an der Erziehung beteiligt sind, weil sie in ihrer digitalen Blubberblasenwelt Dinge sehen, die gar nicht existieren. Menschen hören auf fremdgesteuerte Fitnessdigtatur statt der inneren Uhr zu lauschen. Schöne digitale Welt.

Wir sind da sehr bodenständig und finden die Fragen und Antworten auf dem Platz.

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U12 | foto | rainer lissakowski

 »die gebrauchsgrafiker« engagieren sich ganz analog mit harter Währung, körperlichen Einsatz und an der frischen Luft.

 

 

5. Media Mundo Kongress für nachhaltige Medienproduktion – rethink sustainability

Nach der Pause im letzten Jahr, war der diesjährige 5. Media Mundo Kongress am 18. November ein voller Erfolg. Kleiner, aber feiner, könnte man sagen. Hier kam zusammen, was in der nachhaltigen Medienproduktion zusammengehört. Auftraggeber, Kreative, Konzeptioner, Produktioner, Druckdienstleister, Papierhersteller und – nicht zu vergessen – Querdenker, Weiterdenker, Vordenker aus Wissenschaft und Wirtschaft.

Alle Media Mundo 2014 Vorträge jetzt auch als Video-Stream

Für mich persönlich das Highlight: Die Expertenrunde am Vorabend, also dem 17. November. Quasi ein kulinarisches Warm-Up. Chef-Organisator Rüdiger Maaß (f:mp.) und die Referenten Alexander Rossner (zunkunftswerk), Dr. Achim Schorb (ifeu-Institut) und Dr. Daniel Dahm (Club of Rome), haben sich jeweils mit Impulsen oder Thesen an die bunt zusammengewürfelten Tische gesetzt und entsprechende Diskussionsrunden im Wechsel angeschoben. Auf diese Weise konnten sich alle Gäste – im wahrsten Sinne des Wortes – auf Augenhöhe beteiligen und kennenlernen. Kein Frontalvortrag mit künstlicher Distanz, sondern gleich mittendrin und dabei. Wunderbar.

Genau mein Ding. Nicht das Kochen im eigenen Saft, sondern der Austausch aller Gewerke bringt uns weiter. Ich finde, dies ist mit diesem Get-Together hervorragend gelungen. Und so empfand ich die Vorträge am eigentlichen Kongresstag gleich viel anschaulicher, intensiver, weil von mehreren Seiten beleuchtet. Zu den bereits genannten Referenten kamen noch eine ganze Reihe weiterer Vortragende hinzu, die von neuen (alternativen) Geschäftsmodellen, Zertifizierungsabläufen, wissenschaftlichen Erkenntnissen, aber eben auch von Selbstverständlichkeiten sprachen.

Und während ich noch am Vorabend teils ungläubig angeschaut wurde, wenn ich behauptete, Nachhaltigkeit sei kein Alleinstellungsmerkmal, sondern Selbstverständlichkeit, konnte ich in den Vorträgen doch eine deutliche Veränderung, hin zu eben dieser Selbstverständlichkeit spüren. Besonders deutlich wurde dies beim Vortrag von Roland Makulla (oeding print gmbh), der da sinngemäß resümierte: »Wir drucken einfach nur noch grün, ob der Kunde will oder nicht.« – Bravo!

»Nachhaltigkeit ist ein Qualitätsmerkmal« Dieses Fazit ließ sich zum Schluß der Veranstaltung heraushören. Und Dr. Daniel Dahm (Club of Rome) nahm mir zum Finale meine Worte aus dem Mund: »Gutes Design ist nachhaltig.« Ob er meinen damaligen Vortrag mit eben diesem Titel gesehen hat ist zweitrangig. Wichtig ist die Erkenntnis und die Verbreitung.

Zusammenfassend für mich die drei wichtigsten Erkenntnisse des 5. Media Mundo Kongresses:

1. Austausch auf Augenhöhe, aller am Prozess Beteiligten

2. Nachhaltigkeit ist ein Qualitätsmerkmal

3. Nachhaltigkeit muß selbstverständlich sein/werden

In diesem Sinne, arbeite ich auch weiterhin als Media Mundo Beirat daran, auch die Kreativen noch näher an diesen wichtigen Wissenstransfer heranzuführen, besser noch, zu beteiligen.
Ich bedanke mich bei allen Beteiligten für ihre Offenheit und bei Rüdiger Maaß und seinem Team für die hervorragende Organisation und Auswahl der starken Referenten.

Und im nächsten Jahr sind dann auch die Designer vom BDG – Berufsverband der Kommunikationsdesigner – dabei.

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Eine amüsantbittere Abrechnung mit den Bildungssystemen

Mit diesem Vortrag spricht mir der Kreativexperte Sir Ken Robinson aus der Seele. Er bestätigt meine schon in diesem Beitrag geäußerte Sicht: »Ernst des Lebens – oder: das Ende der Kreativität?«

Filmed Feb 2006 • Posted Jun 2006 • TED2006

Allerdings dürfen wir uns natürlich nichts vormachen. Unser Bildungssystem fängt ja schon im Elternhaus an und begleitet die gesamte Entwicklung der nächsten Generation – vorgelebt von uns Eltern. Aber vielleicht hilft dieser Film bewußter auf die Fähigkeiten unserer Kinder zu schauen und sie entsprechend ihrer Neigungen zu fördern.

Betrachte ich allerdings meine alte, eher konservative Bildungsstätte, das Friedrich Ebert Gymnasium in Hamburg-Harburg, so ist leider festzustellen, daß die nebenschulischen, fördernden Aktivitäten in damaligen AG’s, wie Tanz, Theater, Musik, Kunst, aber auch Sport, weitesgehend verebbt sind. Immerhin ist dies bald dreißig Jahre her. Die Art und Weise und die Inhalte an den Schulen meiner Kinder hat sich dabei nicht wesentlich geändert. Am meisten jedoch an der Grundschule. Insofern sehe ich zur Zeit eher einen Rückschritt, vielleicht begründet auf der Angst vor der nächsten Pisa-Studie.

Dankbar bin ich allerdings meinen wirklich engagierten Kunstlehrern Jonny Schoppmeier und Volker Jung, die sich und ihren Schülern an diesem Gymnasium ein Refugium geschaffen hatten, indem Kreativität wirklich gefördert wurde. Jedenfalls habe ich das für mich so empfunden und sehr viel aus dieser Zeit mitgenommen.

Schöpfungshöhe ade!

Fast unbemerkt verabschiedet sich der zweifelhafte Maßstab Schöpfungs- oder auch Gestaltungshöhe

Eine Hürde für die Schutzfähigkeit laut Urheberrechtsgesetz UrhG in der angewandten Kunst, war bisher die Gestaltungshöhe. Damit fallen die höheren Anforderungen gegenüber zweckfreier Kunst weg.

So heißt es bereits Ende letzten Jahres in der Legal Tribune ONLINE:

»Der BGH hat am Mittwoch entschieden, dass an den Urheberrechtschutz von Werken der angewandten Kunst grundsätzlich keine höheren Anforderungen zu stellen sind als an den von Werken der zweckfreien Kunst. Die Karlsruher Richter geben damit ihre bisherige Rechtsprechung auf, wonach Werke der angewandten Kunst eine besondere Gestaltungshöhe aufweisen mussten, um Schutz nach dem UrhG zu genießen.«

Zum ganzen Artikel: BGH zu angewandter Kunst: Urheberrechtsschutz für Geburtstagszug. In: Legal Tribune ONLINE, 13.11.2013,  http://www.lto.de/persistent/a_id/10029/ (abgerufen am 20.01.2014)

Ein, wie ich finde, löbliches und wegweisendes Urteil, welches auch vielen Grafik-Designern aus dem Herzen sprechen müsste. Sicher bin ich mir da allerdings nicht, denn mir ist diesbezüglich kaum Reaktion zu diesem Thema aufgefallen. Allenfalls scheint es nur zu einer Randnotiz zu reichen. Dabei ist es ein weiterer Schritt in Richtung Gleichstellung kreativer Branchen. Darüberhinaus wird es Auftragnehmern wie Auftraggebern eine größere Rechtssicherheit geben. Es wird wohl aber vermutlich noch ein Weilchen dauern, bevor dies bei den Kollegen angekommen ist.

Gleichstellung von Künstlern …

… weltweit und gegenüber anderen Urhebern

Die VG Bild-Kunst ruft zur Petition zur weltweiten Anerkennung des Folgerechts für Künstler und Fotografen auf. Was für Komponisten, Drehbuchautoren, Regisseure, Schriftsteller u.a., selbstverständlich ist, bleibt den Künstlern und Fotografen bisher verwehrt. Diese Petition fordert damit die Gleichstellung aller künstlerischen Urheber weltweit und damit auch die Beteiligung der Künstler und Fotografen an der kommerziellen Zweitnutzung, bzw. -verwertung ihrer Werke. Vermutlich werden selten Kollegen und Kolleginnen der grafischen Zünfte in den Genuß dieser Verwertungen kommen, dennoch dürfte eine Solidarität aller Kreativen das Urheberrecht für alle Zünfte stärken. Ohnehin ist da seitens hiesiger Designverbände wenig Vorreiterrolle, Gewicht oder Vertretung zu erkennen. Mit dieser Petition können Urheber das Heft selbst in die Hand nehmen.

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DIE GENERATION MAN MÜSSTE MAL

Eine Streitschrift von Claudia Langer

Eigentlich erwischt mich dieses Buch zu einem völlig falschen Zeitpunkt. Oder besser: Ich kann mich noch nicht entscheiden, ob es mich zu einem »jetzt erst recht« oder einem »mache ich doch schon seit Jahren so« nötigt. Vermutlich entscheide ich mich für ein »jetzt erst recht«, denn alles andere wäre Resignation und sicher auch nicht Ziel des Buches. Mich persönlich hat das Buch nicht umgehauen. Jedenfalls nicht so schonungslos, wie es die Autorin auf den ersten Seiten »androht«. Denn die allermeisten Erkenntnisse in diesem Buch sind für mich nicht neu und erschrecken mich daher nicht. Das mag anderen Zeitgenossen, die sich vielleicht nicht so intensiv mit den Möglichkeiten nachhaltigerer Lebens- und wirtschaftsweisen auseinandersetzten, ganz anders ergehen. Ich bin sicher, viele wird es schockieren. Denn jede Generation bekommt hier ihr Fett weg. Auch unsere Eltern. Unverblümt. Denn es ist bereits fünf nach zwölf.

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Dieses Buch ist keine Streitschrift, sondern eine Anklageschrift. Es verdonnert uns alle, endlich zu handeln, statt zu lamentieren. Ich bin sicher, bei einigen wird es das Gegenteil bewirken. Das bleibt nicht aus. Das wird auch Claudia Langer wissen. Die Hoffnung ist aber, daß es bei uns allen klickt und wir aus der Lethargie erwachen, die uns lähmt, die Zukunft endlich tatkräftig und verantwortungsvoll in die Hand zu nehmen.

Claudia Langer stellt zehn Paragraphen auf, an denen wir uns messen lassen müssen. Einen davon möchte ich gern zitieren, weil genau dieser Paragraph (neben anderen) mich besonders in meinem eigenen Bestreben um Nachhaltiges Kommunikationsdesign antreibt:

»§ 4 – WIR, DIE »MAN MÜSSTE MAL«-ELITEN, ÜBERNEHMEN VERANTWORTUNG
Wir informieren, statt totzureden. Wir exponieren uns und gehen ein Risiko ein. Wir überzeugen, statt abzuwägen. Wir fordern Taten, konkret, und gehen selbst mit gutem Beispiel voran. Wir verändern, statt zu zerreden. Wir sind uns unserer Vorbildfunktion bewusst und nehmen sie ernst. Nicht nur in den Talkshows, Feuilletons und Bürgersalons. Sondern im wahren Leben.«

Ich hatte mich zwischenzeitig gefragt, wer zur Zielgruppe dieses Buches zählt. Es ist sonnenklar: jeder.

Claudia Langer
DIE GENERATION MAN MÜSSTE MAL
Eine Streitschrift

Erschienen 2012 im Droemer Verlag
ISBN 978-3-426-27576-4
Hardcover, 190 Seiten, 18,- Euro

Wer handeln will, kann dies auch hier tun und unterschreiben:
DAS GENERATIONEN-MANIFEST – 10 Warnungen und 10 Forderungen an die Politik
Bis zur Bundestagswahl am 22. September 2013 sollen mindestens 100.000 Unterschriften gesammelt werden. Bis heute sind es rund 76.000. Mit Ihrer Hilfe und Verbreitung sind die 100.000 noch zu schaffen.
Initiatoren sind neben Claudia Langer viele Prominente.

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